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grand mal heißt großes übel

Filmpremiere am 8. August 2003,21 Uhr

in der Galerie "Lebensraum", Hülsstraße 36

 

"grand mal". Das ist eigentlich ein Fachbegriff aus der Medizin. Darunter versteht man einen, mitunter tödlichen, schweren epileptischen Anfall. Was dem voraus gehen kann, das sind Sinnesstörungen, die einen Menschen glauben lassen, was gar nicht existiert. Gerät eine solche Person in eine beängstigende, sie bedrohende Situation, kann dies ein unberechenbares Ergebnis hervorbringen. Das ist im Groben die Grundidee, die hinter "grand mal heißt großes übel" steckt, dem neuesten Projekt der Marler Kulturinitiative ideenrausch.

"grand mal heißt großes übel" ist ein Spielfilm und doch ein Theaterstück. Wir haben versucht, die Symbiose zwischen beidem herzustellen. Uraufführung von grand mal, dem Theaterstück, war am 26. September 2002. In der Eisenlagerhalle der Zeche Auguste Victoria in Marl fand das Stück großen Anklang beim Publikum. Hatte sich doch wenige Tage zuvor das Datum der Anschläge auf das World Trade Center zum ersten Mal gejährt, entstand im Saal eine eigenartige Stimmung, eine beklemmende Atmosphäre.

Da gibt es den Protagonisten George W., der als "Führer einer mächtigen Nation" ausgewiesen wird. Da gibt es Nebenrollen, die als Sinnbild des Bösen, des Wollüstigen oder auch des Neutralen und doch Gewissenhaften stehen. Und es gibt den Araber, der George W. in Frage stellt. Eine riskante, vielleicht sogar provokative Mischung. Eine Mischung jedoch, die viele zum Nachdenken anregt. Allzu oft findet man in den grotesken Situationen die Wirklichkeit wieder. "Geh hinaus und fordere die Wirklichkeit!" ruft die kaffeesatzlesende Hure der Beraterin zu. Genau das ist es aber, was die meisten fürchten. Elf Fragen sind es, die direkt oder indirekt gestellt werden und die genauso ihre Antwort finden oder zu finden versuchen. Es sind Fragen über unsere Existenz, über unser Dasein, über den Sinn unseres Handelns. Nach und nach brechen die Fragen und die damit verbundenen, vielleicht gar nicht erwünschten, Antworten über George W. und damit auch dem Zuschauer hinein.

Es klingt alles sehr philosophisch - was den Grundtenor des Film beschreiben würde. "grand mal heißt großes übel" ist kein Spielfilm, ist kein Dokumentarfilm und schon gar nicht ein Theatermitschnitt. "grand mal heißt großes übel" ist eine szenische Collage, die sich mit den elementaren Fragen der Menschheit beschäftigt, sie auf aktuelle Geschehnisse bezieht und so direkt in die Gedankenwelt eines jeden Zuschauer geht. Nicht jeder wird auf Anhieb ein eindeutiges Fazit aus dem Film ziehen können. Doch wichtig ist schließlich die Hauptaussage, die er persönlich daraus erhält. Eine Einheitliche gibt es nicht.

Zwei Monate brauchten Sven Dittrich und Stefan Korte, um aus dem Theaterstück ein Drehbuch zu formen. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass eine komplette Umarbeitung des Stücks nicht möglich ist. Zu dicht sind die Dialoge, als dass man sie aufbrechen und neu arrangieren könnte. Vielmehr haben wir letztlich das versucht zu intensivieren, was im Theater nicht möglich ist. Wir haben den Ort gewechselt, die Vorgeschichte verdeutlicht, Schockelemente mit eingebaut und die Welt des George W. transparenter gemacht.

Bei der Suche nach einem Hauptdrehort, besichtigten wir viele Orte. Die Mühe hat sich schließlich gelohnt. Der Festsaal des Schlosses Lembeck bei Dorsten bot schließlich genau das, was wir suchten. So stellten wir uns den Ort vor, an dem ein "Führer einer mächtigen Nation" tatsächlich seine Arbeit verrichten könnte. An zwei Wochenenden im Dezember 2002 drehten wir im Akkord. Bei Temperaturen teilweise um den Gefrierpunkt war es nicht leicht, gerade als Schauspielerin im Sommerkleid als Beispiel, zu arbeiten. Doch Schauspieler, Crew und Technik hielten durch. So kalt es auch gewesen sein mag: Das Ergebnis entschädigt. Die Atmosphäre des Raums, in seinem weichen Licht, seinen Sepia-Farbtönen und der Jahrhunderte alten Ausstattung verleiht "grand mal heißt großes übel" eine ganz besondere Note.

Von der technischen Seite her wurden wir vom Bürgerfernsehen Offener Kanal unterstützt. Die Nutzung der professionellen Kameras und Schnittplätze, sorgen für ein höchstmögliches Maß an Qualität.

Neben der Aufführung auf großer Leinwand ist gegen Ende des Jahres die Veröffentlichung als DVD geplant, natürlich inklusive reichlich Bonusmaterial.

Stab und Besetzung

Schauspieler:

George W. - Helge Salnikau
der böse Araber - Sebastian Jerzembek
die gute Fee - Diana Herden
die kaffeesatzlesende Hure - Simone Quittek
die Beraterin - Ümmühan Karagoz
Burgunder - Pamela Tschentscher

Crew:

Produzenten - Sven Dittrich, Stefan Korte, Sebastian Jerzembek
Kamera und Schnitt - Stefan Korte
Kamera-Assistenz - Benjamin Tschentscher, Dominik Melsa
Regie - Sven Dittrich
Regie-Assistenz - Kristina Dawitz
Drehbuch - Sven Dittrich, Stefan Korte