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grand mal // Kritik der Marler Zeitung |
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Stück spiegelt die Urängste wider 20 Millionen Opfer zählen die Atom-Anschläge weltweit. Das ist die katastrophale Bilanz eines misslungenen Kampfes gegen den Terrorismus. Mitverantwortlich dafür ist George W., Führer einer mächtigen Nation. Er flieht in einen Bunker, um sich zu schützen, aber auch über sein Handeln und dessen Konsequenzen nachzudenken. Was sich wie die Beschreibung eines Hollywood-Films ließt, ist die Hintergrundgeschichte zu "grand mal", dem neuesten Stück der Theater-Initiative "ideenrausch". Ende vergangener Woche führte die Gruppe unter Leitung von Autor und Regisseur Sven Dittrich das Drama in der Eisenlagerhalle erstmals auf. Die Zuschauer wurden in eine bizarre Welt entführt, die einen Blick in die Gedankenwelt des George W., gespielt von Helge Salnikau, gewähren soll. Mit ihm im Bunker befinden sich noch fünf weitere Personen. Gemeinsam versuchen sie, anhand von insgesamt elf "fundamentalen" Fragen herauszufinden, woraus der Sinn ihres Daseins und Handelns besteht. Nach und nach wird dabei dem Zuschauer nahegebracht, was der Hintergrund all dessen ist. Nicht zuletzt wird auch mit den Ängsten des Publikums gespielt. Denn "grand mal" soll vor allem ein Gedankenspiel sein, was nach dem 11. September 2001 hätte passieren können. "Die Urängste des Menschen spiegeln sich in dem Stück ebenso wieder, wie das unmittelbare Ohnmachtgefühl, das wir nach den Anschlägen in New York hatten", erklärt Sven Dittrich den Kontext seines Dramas. "Jede Figur um George W. herum verkörpert ein ganz bestimmtes ‚Urgefühl' des Menschen." Was erst am Ende heraus kommt: George W. war die ganze Zeit alleine in seinem Bunker. In einer der letzten Szenen spricht er, als seien sie alle da - der Araber, die Hure, die gute Fee, die Verrückte und sein Berater. Doch spricht er in die Leere. Es waren Hirngespinste, die allesamt aus seinem Wahnsinn entstanden sind - was ihm letztlich auch den Tod in Form eines epileptischen Anfalls bringt. "grand mal" fand bei den Zuschauern großen Anklang. "Man merkte, dass es bei bestimmten Szenen plötzlich ungewöhnlich still im Publikum wurde", beschreibt Sven Dittrich die Atmosphäre während des Stücks. "Auch nach über einem Jahr ist uns der 11. September noch immer allgegenwärtig." Insgesamt zeigt sich ideenrausch mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nicht zuletzt, weil es bis 48 Stunden vor der Premiere noch auf der Kippe stand. Der plötzliche Wetterumschwung machte die Aufführung im Parkhaus der Paracelsus-Klinik unmöglich. Binnen weniger Stunden konnte jedoch glücklicherweise die Eisenlagerhalle organisiert werden. Marler Zeitung, 28. September 2002 |